Grimm

Müsste man Grimm beschreiben, so würde einem vermutlich das Wort „unscheinbar“ in den Sinn kommen. All die Magier, die wir zuvor und auch nach ihm getroffen hatten, stachen aus der Masse hervor. Gleichgültig, wer zuerst am vereinbarten Treffpunkt erschienen war – ob der Magier oder wir – selbst in einer großen Menschenmenge waren sie immer auf den ersten Blick zu erkennen gewesen. In Grimms Fall dauerte es jedoch eine Weile, bevor uns klar wurde, dass der Mann, der vor uns stand, die Person war, auf die wir gewartet hatten. Er war genauso plötzlich wie unauffällig aus der Menge aufgetaucht und das auf die Sekunde genau, wie wir hinzufügen möchten. Sein Erscheinungsbild war ihm offenkundig mehr als gleichgültig, und sein Blick verriet, dass er nicht erst gestern auf die Welt gekommen war.


Du bist Meister der Kampfmagie, die im Spiel als Manöver bezeichnet werden. Aber was genau sind eigentlich Manöver?

GRIMM: Der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Wald- und Wiesenmagier und einem Magier, der die Kampfmagie gemeistert hat, ist in etwa der gleiche wie zwischen einer Sandburg, die ein kleines Kind am Strand mit einem Eimerchen gebaut hat, und einer Festung aus Stein mit Zinnen und Türmen. Jeder Narr kann einen Hammer in die Hand nehmen – oder meinetwegen auch ein Schwert – und dann damit wild in der Luft herumfuchteln. Und wenn er Glück hat (oder sich tagein tagaus darin geübt hat, was auf das Gleiche hinauskommt), dann trifft er wahrscheinlich vielleicht sogar jemanden damit. Ein Kriegermagier hingegen weiß Magie so einzusetzen, dass die Waffe gar nicht anders kann, als gegen die Gesetze der Natur zu verstoßen. Wenn er es will, führt sie ein Polka-Tänzchen zwischen seinen Feinden auf und natürlich jede Menge andere Tricks. Um es kurzzumachen: Von einem Manöver spricht man, wenn ein Magier mithilfe von Magie eine Eiswaffe kontrolliert.


Das klingt bei dir fast so, als würde es sich bei Kampfmagiern um eine Art von Künstlern handeln.

GRIMM: Tut es das? (Ein rätselhaftes Lächeln huscht über Grimms Gesicht.) Das ist ein hübscher Gedanke, nicht wahr?


Könntest du uns vielleicht ein Beispiel geben?

GRIMM: Pass auf: Mit einem Schwert kann man normalerweise nur einen Feind treffen, der direkt vor einem steht. Wenn man so will, könnte man das als die grundlegende Philosophie hinter der Kunst des Schwertkampfs bezeichnen. Aber mit einem Manöver ... mit einem Manöver kannst du dein Schwert weit vor dich vorausschicken, um dort einen Feind niederzustrecken … und es anschließend in deine Hand zurückkehren lassen.


Und das kannst du mit jeder Art von Waffe?

GRIMM: Nein. Jeder Waffentyp ist auf eine spezifische Auswahl möglicher Manöver beschränkt. Das Beispiel von eben ist eines der Manöver, das mit allen Klingenwaffen möglich ist. Aber zum Beispiel bei einem Speer muss man ein ganz anderes Manöver ausführen: Hier erweitert sich die Waffe (auf die mehr als doppelte Länge), trifft einen Feind, der sich zwei Felder entfernt befindet und zieht diesen dann näher an einen heran (sodass man ihm den Rest geben kann). Fernkampfwaffen dagegen können mehrere Projektile gleichzeitig schießen. Mithilfe von Magie kann ein Pfeil mehr als einen Feind treffen, selbst wenn die Gegner nicht in einer Linie stehen. Einige Manöver können auch kombiniert werden und erzielen so noch fantastischere Effekte. Mit einem Schild, der normalerweise nur bei der passiven Abwehr zum Einsatz kommt, können Feinde zurückgedrängt werden (und selbstverständlich auch verletzt). Wenn ein Feind also das Pech hat, einem Magier gegenüberzustehen, der mit einem Speer und einem Schild ausgerüstet ist, dann ist er mehr oder weniger dem Tod geweiht, bevor er auch nur sein Schwert gehoben hat.


Jeder würde gerne so kämpfen können. Wenn das alles stimmt, wieso sollte man sich dann den Strapazen des Trainings aussetzen und sich damit abrackern?

GRIMM: In der Tat: Wieso? (Lächelt.) Es klingt vielleicht verlockend, aber man sollte nicht vergessen, dass hinter allen Manövern Magie steckt und dass diese Magie manchmal überaus kompliziert ist! Für die Manöver braucht man magische Energie. Genau deswegen ist mit allen Waffentypen ebenso ein einfacher Angriff möglich. Der ist natürlich schwächer, aber verbraucht dafür auch keine Energie. Und das kann manchmal sehr praktisch sein, wenn man nicht mal einen Hauch magischer Energie mehr hat und sich aus einer misslichen Lage befreien muss.


Ich glaube, dass wir die Sache mit den Manövern nun verstanden haben. Wieso erzählst du uns nicht noch etwas über dich selbst? Wann wirst du dich der Gruppe anschließen?

GRIMM: (An dieser Stelle wurde uns plötzlich bewusst, dass das Interview bereits vorbei war: Grimm war verschwunden. In der Nähe kehrte nur noch ein Mann die von den Bäumen herabgefallenen Blätter auf. Dann läutete auch schon die Glocke auf dem Schiff, das uns hergebracht hatte und uns auch wieder nach Hause bringen sollte, und kündigte so sein baldiges Auslaufen an.)


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